Kleine Chronik der Ortsgruppe Ulm/Neu-Ulm

Aus dem "Ulmer Tagblatt" vom 4. September 1907:

Diese Veranstaltung, durchgeführt vom Brenztal-Zweigverein, richtete der Gründer und
1. Vorsitzende des Vereins für Deutsche Schäferhunde (SV), Herr Rittmeister v. Stephanitz a. D. aus.

Angespornt durch diese Veranstaltung erfolgte im
Januar 1910 die Gründung der Ortsgruppe Ulm und Umgebung.
Die erste Jahreshauptversammlung fand im Hotel "Goldener Engel" Ulm statt.

Am 1. Februar 1910 erfolgte die Anerkennung durch den Hauptverein und die Veröffentlichung dieser Anerkennung in der Vereinszeitung

Etwa 25 Schäferhundehalter und -züchter aus Ulm, Ehingen, Laupheim, Biberach und Langenau bildeten den Grundstock zu dieser neuen Ortsgruppe. Auch Mitglieder des 1907 gegründeten "Verein der Hundefreunde Ulm" gesellten sich dazu.

3.ausgabe sv zeitung
Die Vorstandschaft setzte sich
bei der Gründung wie folgt zusammen:
1. Vorsitzender R. Zeller
2. Vorsitzender G. Stecher
Schriftwart F. Schultheiß
Kassenwart E. Wanner
1. Zuchtwart G. Däubler
2. Zuchtwart R. Zeller
ehrung h. schultheiss

Ehrung am 23.12.76 v. Friedrich Schultheiß anlässlich seines 80. Geburtstages durch Herrn Direktor Kremhelmer und LG-Vorsitzender Rolf Fauser


Gründungsmitglied der OG Ulm/Neu-Ulm. Seit 1939 Leistungsrichter und Ehrenvorsitzender der LG Württemberg, Träger des Bundesverdienstkreuz A.B.


Als Gründungsmitglieder konnten noch die Herren Prof. Blauel, General Fleischlein, Bäckermeister Martin Meier und C. Bausenhardt ermittelt werden.

1912 Während des Neu-Ulmer Volksfests wurden Vorführungen von Polizeihunden gezeigt.
Weiterhin fanden eine Hundeausstellung sowie eine Sonderschau für Deutsche Schäferhunde statt. Einige, auch von OG Mitgliedern, vorgeführte Hunde erhielten die Zuchtbewertung "V" und wurden teils für hohe Summen nach Frankreich verkauft (aus "Ulmer Tagblatt").
Die OG Ulm wurde zum Treff der Schäferhundfreunde des Unterlandes, der Schwäbischen Alb und des Oberlandes.


1914 fand in Ulm eine Internationale Hundeausstellung auf dem Kasernenplatz und im Exerzierhaus des Grenadier Regiments No.123 in der Karlstrasse statt. (Dort befindet sich heute das Gelände der Ulmer Gold Ochsen Brauerei). Sensationell waren sicherlich die hohe Anzahl von Meldungen dieser Großveranstaltung: 820 Hunde, 2000 Nennungen, 100 Zuchtgruppen und Kollektionen (Ulmer Tagblatt).
Die Deutschen Schäferhunde waren hervorragend mit 124 Exemplaren vertreten, darunter auch der Diensthundezwinger von der Kriminalpolizei Wiesbaden.
Die 79 Rüden wurden von Rittmeister v. Stephanitz a. D. gerichtet, die 45 Hündinnen und 7 Zuchtgruppen richtete Herr Ernst Irschlinger aus München.

Diese Großveranstaltung brachte der OG Ulm/Neu-Ulm den durchschlagenden Erfolg.


Nach Ausbruch des 1.Weltkriegs kam die junge Ortsgruppe fast zum Erliegen. Die Einberufung vieler SV Freunde zum Heer, der Futtermangel für die Tiere, Absatzschwierigkeiten bei Welpen und Junghunden, verurteilten die Mitglieder zur Untätigkeit.
Zur Stiftung geeigneter Hunde für Heereszwecke (Sanitäts-, Meldehunde) wurde aufgerufen, einen Ankauf gab es damals keinen.

Die Erfahrungen mit unserem Schäferhund im Krieg, führten viele Kriegsteilnehmer nach Beendigung desselben, zu uns. Verbunden mit alten SV-Mitgliedern aus Ulm und der näheren Umgebung, zu denen sich noch begeisterte und geschulte Diensthundeführer gesellten, ergaben so einen Stamm zur Wiederaufrichtung der schwer angeschlagenen Ortsgruppe.

Unter Führung des damaligen 1.Vorsitzenden Richard Zeller nahm der Verein ab dem Herbst 1920 einen starken Aufschwung. Dies beweist die Mitgliederzahl von fast 300 im Jahre 1923. Mit dem Inflationsschluss fiel auch der "Goldene Schäferhund" und der Mitgliederstand pendelte sich auf etwa 100 ein, aber die alten Getreuen blieben. Die Zahl der Züchter verkleinerte sich allmählich, während die Zahl der reinen Liebhaber, meist mit der Ausbildung ihrer Hunde beschäftigt, zunahm und den Ausgleich wieder herstellte.


In der Folgezeit erlebte die Ortsgruppe eine langsame aber stetige Entwicklung nach oben. Es wurden Jugendveranlagungs-, Zucht- und Schutzhundprüfungen abgehalten und von anerkannten und erfahrenen Leistungsrichtern abgenommen.

1933 führte die Ortsgruppe Ulm erstmals die Siegerprüfung (19 Teilnehmer) durch.


Der 2. Weltkrieg lichtete die Reihen der Ortsgruppe immer mehr, so dass gegen Ende nur ca. 15 Mitglieder, meist Frauen und ältere Männer, das Banner der Ortsgruppe hochhielten. Wenngleich die Tätigkeit nicht völlig zum Erliegen kam, so war die Zucht, wie auch die Ausbildung durch kriegsbedingte Umstände gehemmt.
Von der Heeresverwaltung wurden laufend Hunde benötigt, der Tierbestand der Ortsgruppe stark vermindert. Ulm war Musterungsplatz. Von weit her kamen Hunde, aller Rassen, nach Ulm in die alte Zeughauskaserne zur Musterung.
Durch einen raffinierten Trick konnte unser damaliger Übungswart verhindern, dass 6 Hunde, die bereits zur Schutzhundeprüfung gemeldet waren, wegen Schußscheuheit von der Aufkaufkommission abgelehnt wurden. Sie bestanden trotzdem alle am 17.12.1944 in den Morgenstunden ihre Schutzhundeprüfung.

Bei dem am Abend des gleichen Tages erfolgten Luftangriffes auf unser schönes altes Ulm mussten leider zwei Hundeführerinnen und drei unserer Schäferhunde ihr Leben lassen. In dieser Nacht wurde in der altvertrauten Versammlungsstätte "Zum Goldenen Apfel" das gesamte Schrifttum, Protokolle, Zucht- und Körbücher sowie die Bibliothek der Ortsgruppe vernichtet. Auf dem Übungsplatz hinter der Wilhelmsburg wurde das Gerätehaus nebst dem gesamten Inventar ein Raub der Flammen. Die Ortsgruppe stand vor dem Nichts!

Nach Kriegsende traf man sich wieder an der Blau in Söflingen zur Ausbildung der Hunde und musste von vorne anfangen. Gemeinsam, unter Führung des 1. Vorsitzenden Erwin Maier, wurde nach altem SV-Geist, der Wiederaufbau der Ortsgruppe vorangetrieben.
Die Hundeankäufe des Heeres fanden ihre Fortsetzung durch die Ankäufe der Besatzungsmächte. Dadurch wurde die Zucht wesentlich belebt und die Zuchtziele konnten wieder verstärkt beachtet werden.


Ein Jahr darauf fanden die Übungen in Söflingen bei der Schießallee statt, ein altes Gartenhaus diente dort als Geräteschuppen. Die ersten Prüfungen nach dem Krieg wurden abgehalten.


1948 erfolgte der Umzug nach Neu-Ulm auf den jetzigen Übungsplatz "im Muthenhölzle", wo auch sofort mit dem Bau eines Vereinsheims begonnen wurde.
In Pfuhl wurde 1950 ein zweiter Übungsplatz eingerichtet und 1963 ein Vereinsheim erstellt.
In der nachfolgenden Zeit entwickelte sich die OG Ulm/Neu-Ulm zu einer der größten Ortsgruppen im Ulmer Raum.
In den Jahren 1951 - 1980 wurden mehrere Großveranstaltungen durchgeführt, u. a. Länderkampf Deutschland - Schweiz, Landesgruppen - Fährtenhund - Prüfung, Landesgruppenmeisterschaft sowie vier Mal die SV-Siegerprüfung.


1987 erfolgte der Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft Blau/Donau/Iller, in der sich sieben OGs aus den Landesgruppen Württemberg und Bayern Süd zu einer grenzüberschreitenden, jährlichen Austragung eines Städtepokals zusammengefunden haben. Das 80-jährige Bestehen wurde 1990 gebührend mit einer Sonder- und Nachwuchsschau, sowie einem Pokalturnier gefeiert.


Die Außenstelle Pfuhl wurde 1992 zu einer selbständigen Ortsgruppe.


In den folgenden Jahren wurde der traditionellen Vereinsarbeit ein weiterer Bereich angegliedert. - Agility - Unsere Ortsgruppe war hier sehr erfolgreich in der Anfangsphase dabei seit 1992 und ist mittlerweile eine gefragte Anlaufstelle in der Umgebung mit den entsprechenden Erfolgen geworden. Zum festen Bestandteil ist der jährlich stattfindende "Ulmer-Münster-Cup" geworden (Wanderpokal gestiftet von der Ulmer Münster Brauerei).


1994 wurde erneut eine Großveranstaltung von der OG Ulm/Neu-Ulm mit Erfolg durchgeführt, das Landesleistungshüten.


Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Zwingers " von der Liebeswarte " und zum Gedenken an unser langjähriges Mitglied Heinz Späth Senior führte unsere OG am 04./05. August 1995 einen offenen Pokalkampf mit 32 gemeldeten Mannschaften durch.


Am 01.Juli 1996 traf ein schwerer Schicksalsschlag die Ortsgruppe.
Unser altes Vereinsheim, das von den Mitgliedern vor über 50 Jahren erbaut, zwischenzeitlich erweitert und modernisiert wurde, brannte bis auf die Grundmauern ab (Brandstiftung). Den Mitgliedern bot sich bis zum endgültigen Abbruch ein trauriges Bild der Verwüstung.
In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 20.08.1996 wurde der Wiederaufbau beschlossen. Ab Anfang März 1997 konnte mit dem Bau begonnen werden und in einer Bauzeit von viereinhalb Monaten (!) wurde das neue Vereinsheim fertiggestellt.
Die festliche Einweihung fand am 12.07.1997 im Rahmen des von der OG ausgerichteten 7-Städte-Pokalturniers statt.


Ebenfalls im Jahr 1997 wurde am 2. Mai in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eine wichtige Änderung beschlossen.
Die Ortsgruppe wurde ein eingetragener Verein mit der Bezeichnung "SV OG Ulm/Neu-Ulm gegr.1910 e. V." und beantragte die Gemeinnützigkeit.

1998 veranstalteten wir die Landesgruppen-Agility-Meisterschaft mit ca. 160 Teilnehmern.


Um auch wieder in der Zucht aktiv zu werden, wurde zum 90 jährigen Bestehen die Landesgruppen-Zuchtschau im Ulm ausgerichtet. Im Agility fand der 5. Ulmer Münster-Cup statt.


Mit Hilfe des Landesgruppenjugendwarts Volkard Gräfe konnte die Ortsgruppe 2002 die Landesgruppenjugend- und Juniorenmeisterschaft ausrichten.


Als große Bundesveranstaltung kam 2003 die Siegerhauptzuchtschau nach Ulm. Diese Veranstaltung lief so erfolgreich, dass dies im Jahr 2005 gleich wiederholt wurde. Davor wurde im Frühjahr 2005 in der Leistung die Landesgruppen-FCI-Qualifikation ausgerichtet.


2007 richtete die Ortsgruppe für den DMC(Deutscher Malinois Club) das Deutsche Malinois-Championat aus.
Für die Landesgruppe wurde die Agility-Meisterschaft ausgetragen.


Die erneute Ausrichtung der Landesgruppen-FCI-Qualifikation zeigte schon 2009 die Möglichkeiten auch für die Bundes-FCI-Qualifikation als Veranstalter tätig zu werden. Die erneut erfolgreiche Siegerhauptzuchtschau 2009 bestätigte dies.


2010 anlässlich unseres 100-jährigen Bestehens konnte die FCI-Bundesqualifikation als Großveranstaltung gewonnen werden.

Die Ortsgruppe Ulm/Neu-Ulm zählt zu Beginn des Jubiläumsjahres 2010 - 83 Mitglieder.


Alle bisherigen und jetzigen Generationen der OG Ulm/Neu-Ulm können für sich in Anspruch nehmen, dass sie getreu dem SV-Motto "Vorwärts in der Leistung, denn sie dient der Zucht" für die Förderung des Deutschen Schäferhundes in Zucht und Ausbildung ihr Möglichstes getan haben und tun.


Allen, die seit der Gründung bis heute mit Rat und Tat oder durch stille, treue Mitgliedschaft zu den Erfolgen der Ortsgruppe Ulm/Neu-Ulm beigetragen haben, gebührt Dank und Anerkennung, wobei wir auch unsere verstorbenen SV-Freunde nicht vergessen wollen.

Bedanken möchten wir uns auch bei allen Förderern und Freunden unserer Ortsgruppe.

SV OG Ulm/Neu-Ulm gegr. 1910 e. V.


Herausragende Persönlichkeiten unserer Ortsgruppe:





Auszug von SV-Hauptverein und Landesgruppen-Veranstaltungen
in der OG Ulm/Neu-Ulm: